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Geschichte(n) der Robotik
Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte 2009

Hochschule für Gestaltung Offenbach, 22. – 24. Mai 2009

Bericht von: Sonja Petersen und Melike Sahinol
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Überblick

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Thema „Geschichte(n) der Robotik“. Zahlreiche Beiträge aus unterschiedlichen Fachgebieten analysierten und diskutierten den Einsatz von Robotern und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft auf vielfältige Weise. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu verstehen, war Fokus der diesjährigen Jahrestagung. In den Diskussionen wurde die Bedeutung kultureller und gesellschaftlicher Faktoren für die Erforschung von Technik betont. Die Beiträge skizzierten unter anderem Wissensgeschichten der Roboter, ihre Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen im Alltag, die Bedeutung von Robotern für die Gesellschaft Japans, ihre Darstellung in verschiedenen Medien und ihre Bedeutung als Alter Ego.

Bericht

Die diesjährige Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) fand vom 22. bis 24. Mai 2009 in der Hochschule für Gestaltung in Offenbach statt. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit „Geschichte(n) der Robotik“. Nicht nur Beiträge aus der Technikgeschichte, sondern auch aus anderen Fachgebieten, wie der Soziologie und Informatik bis hin zur Japanologie waren vertreten und diskutierten den Gegenstand der Jahrestagung rege. Nach der Begrüßung durch Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung und Prof. Dr. Martina Heßler, Vorsitzende der Gesellschaft für Technikgeschichte, umriss Catarina Caetano da Rosa für den Programmausschuss der GTG die Relevanz des Themas „Geschichte(n) der Robotik“. Die Tagung sollte das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine darstellen und analysieren. Die Geschichte „selbsttätiger Maschinen“ kann bis in das antike Griechenland und die Wortwurzel von Robotik bis in das 14. Jahrhundert zurückgeführt werden. Die Wortneuschöpfung "Roboter" machte Karel Capek jedoch erst in den 1920er Jahren populär, als er damit in seinem Drama „R.U.R.“ selbstständige Maschinen bezeichnete, welche den Menschen die Arbeit erleichterten und abnahmen, sich aber auch gegen diese revoltierten. So sind „Geschichte(n) der Robotik“ für die Technikgeschichte von großer Bedeutung, will sie doch unter anderem „die Beziehung zwischen Mensch und Maschine verstehen.“ Dabei galt es zu untersuchen, in welchen Bereichen und für welche Aufgaben diese Maschinen eingesetzt wurden und welche Außenwirkung selbige auf den Menschen, die Gesellschaft und umgekehrt hatten.

Der Medienwissenschaftler Jan Müggenburg sowie der Soziologe Eric Lettkeman und der Politikwissenschaftler Martin Meister näherten sich „Wissensgeschichten der Robotik“. Jan Müggenburger untersuchte in seinem Vortrag „Die Menschmaschine“ die Darstellung von Bionik in Science und Fiction ausgehend von Steve Austins Roman Cyborg. Die Figur des Cyborg ging in den 1960er Jahren aus drei technologischen Wissensfiguren, dem Prosthetic man, dem Gliedmaßen durch Prothesen ersetzt wurden, dem Amplified man, dessen technische Gliedmaßen die natürlichen in schweren Arbeiten unterstützten und dem Closed Cycle man, der Teil eines technischen Mechanismus war und sich nicht mehr anpassen musste, hervor ging. Gemeinsam war ihnen die Voraussetzung von Technologien, die kompatibel mit dem biologischen Organismus waren. Während der Cyborg als sich frei bewegendes, denkendes, fühlendes Wesen, welches die Technik nicht wahr nimmt, dargestellt wurde, bleibt beim Roboter die Technik immer präsent. Den Wandel der Roboter ausgehend von der US-amerikanischen Militärforschung des 2. Weltkrieges bis heute, verfolgten Eric Lettkeman und Martin Meister in ihrem Beitrag zur Geschichte der Kybernetik. Die „Mensch-Maschine-Symbiose“ wandelte sich über Waffensystemen und Medizintechnik hin zu „niedlichen Robotern“ wie den künstlichen Schildkröten von Grey Walters. Letzteres sollten die Ergebnisse der Kybernetik spielerisch demonstrieren. Klare Traditionslinien in der Geschichte der Robotik wurden in der Diskussion als noch nicht besetzt angesehen. Es wurde deutlich, dass es noch keine Geschichte der Robotik gibt. Diese gelte es zu schreiben mit besonderer Berücksichtigung darauf, welche Geschichte(n) und Traditionslinien die Robotik sich selbst geben wird.

In der Sektion „Roboter im Einsatz“ wurden die Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und Arbeit erörtert. Ralf Spicker rückte das Verhältnis zwischen Industrieroboter und Mensch ins Zentrum seiner Ausführungen. Er demonstrierte die Entwicklung der modernen Industrieroboter über die Werkzeugmaschinen der Industriellen Revolution bis hin zum ersten Industrieroboter „Unimate“ in der Gießerei bei General Motors in den USA. Zunächst als Handhabungsgerät verwendet, entwickelte er sich zu einer Arbeitsmaschine, die sich durch eine hohe Wiederholungsgenauigkeit auszeichnete. Ralf Spicker stellte heraus, dass die Vorstellung des Industrieroboters als Jobkiller nicht eintraf. Auch heute würden nicht alle Aufgaben von Maschinen übernommen. Die menschlichen Fähigkeiten und das menschliche Wissen seien weiterhin von großer Bedeutung. Die gesellschaftlichen Auswirkungen von Robotereinsätzen analysierten auch die Soziologinnen Judith Igelsböck und Astrid Weiss aus Wien, die erste Ergebnisse des EU Projektes Robot@cwe vorstellten, das sich mit der Akzeptanz von Robotern im Alltag und den Bedingungen für eine Zusammenarbeit Menschen und Robotern beschäftigt. Auch sie konstatierten die Angst der Menschen, durch Roboter ersetzt zu werden. Roboter können nicht überall eingesetzt werden, setzen doch die meisten Arbeiten mehr als einfache Handgriffe voraus. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Roboter vor allem für schmutzige, gefährliche und repetitive Arbeiten eingesetzt werden. Dass die Akzeptanz von Robotern nicht unbedingt zu einem erfolgreichen Einsatz führen muss, illustrierte der Ingenieur Michael Schönreich in seinem Beitrag zur Geschichte prozessflexibler und prozessspezifischer Industrieroboter in der DDR zwischen 1890 und 1990. Im Sachsenring in Zwickau wurde 1978 der erste Industrieroboter, eine Decklackspritze aus Norwegen für die Trabantkarosserien eingesetzt. Sowohl nichtbetroffene Mitarbeiter, Führungskräfte, Leistungskräfte als auch die Arbeiter wurden intensiv geschult, um mögliche Ängste vor den Robotern abzubauen. Trotz dieser Schulungen und guter technischer Innovationsleistungen blieb der Erfolg aus und man konnte die technische Lücke zum Westen nicht schließen. Roboter kamen jedoch nicht nur in der Industrie zum Einsatz, sondern wurden auch im Alltag eingesetzt, wie die Vorträge der Sektion „Serviceroboter: Herausforderungen im Alltag“ zeigten. Frank Dittman illustrierte die Geschichte der Service-Robotik seit den 1960er Jahren. Zielten die frühen Service-Roboter, wie „Shaky“, auf eine Synergie verschiedener Bereiche künstlicher Intelligenz ab, konzentrieren sich aktuelle Forschungsprojekte auf die Bereiche Überwachung, Schutz und Inspektion sowie der Verbesserung von Produkten des Massenkonsums wie Staubsaugern, Rasenmäher oder Spielzeug, die für den Massenmarkt entwickelt und hergestellt werden. Dittmann zeigte, dass die Modifikation klassischer Industrierobotertechnik zu Anwendungen im Bereich der Medizin wie z. B. Operations-Roboter führte. Wobei letztere Anwendung durch neue Herausforderungen und spezifische Anwendungskontexte auf die klassische Robotertechnik zurückwirke.

Abschließend thematisierte Dittmann insbesondere Einsatzgebiete humanoider Roboter, z.B. Pflegeroboter und wies darauf hin, dass insbesondere die mangelnden sozialen Kontakte gegen Pflegeroboter sprechen würden. Auch in der Diskussion wurde die Sinnhaftigkeit des Baus von Servicerobotern als entscheidend unterstrichen. Beispielsweise sind solche zu präferieren, die für die Räumung von Minenfeldern eingesetzt werden. Jedoch stellte sich hier die Frage nach dem ökonomischen Mehrwert, denn Minenfeldroboter können nicht für den Massenmarkt produziert werden. Auch wurde darauf hingewiesen, dass mit steigender „Autonomie des Roboters“ die Intervention durch den Menschen gefragter ist. Der Frage nach der Einsetzbarkeit humanoider Serviceroboter im Alltag ging Christian Schlette nach. Er konstatierte, dass die Entwicklung von Robotern durch unseren komplexen Alltag erschwert und dessen Herausforderungen über denen in einem Labor herrschenden hinausgingen. Diese Komplexität erfordere die Ausstattung von Robotern mit „intelligenten Algorithmen“, Sensoren und Aktoren zur Aufgabenplanung, Bewegungsplanung und Kollisionsvermeidung. Schlette stellte Herausforderungen der Entwicklung intelligenter Algorithmen für humanoide Serviceroboter vor und nahm dabei vor allem Bezug auf die Problemstellung der Komplexität im Alltag. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem auf die Anforderungen an den Menschen, mit dem Roboter umzugehen, gefragt und angedeutet, dass Ingenieure zum Teil menschliches Handlungsabläufe mit der Entwicklung von Robotern mitkonstruieren.

In der Sektion „Roboter in den Medien“ beschäftigten sich drei Beiträge mit auf den ersten Blick ungewöhnliche Quellen der Technikgeschichte. Der Historiker Stefan Stein führte die Teilnehmer durch die bunte Welt der Comics, von Daniel Düsentrieb bis Knick Knatterton und analysierte die Darstellungsweise von Robotern, ihre Charakterisierung sowie ihr Verhältnis zu Menschen und entwickelte unterschiedliche Robotercharakter wie den guten Kumpel, den Mad Scientist, den Roboterdoppelgänger oder den Kampfroboter. Nach gezeichneten Bildern führte der Philosoph Karsten Weber die Teilnehmer in die Welt der bewegten Bilder und analysierte, basierend auf unterschiedliche Science Ficition Filmen, die „Darstellung von Robotern“. Er arbeitete heraus, wie sich die Figur des Roboters seit 1950 vom Werkzeug zum Akteur, über den gehorsamen Diener mit eingebauten Wert- und Moralvorstellungen, bis hin zu einem gegen die Menschen rebellierende Bordcomputer emanzipierte. Den vorläufigen Endpunkt der Roboterdarstellung bildet I Robot aus dem Jahre 2005 der Roboter als vollständig selbständige Akteure zeigte. Beide Beiträge zeigten, dass unterschiedliche Quellen zu Erkenntnissen über „Geschichte(n) der Robotik“ führen können und auch Lisa Nocks vom Institut für Technikgeschichte in New Jersey plädierte für die Verwendung von Science Fiction Literatur als Quelle der Technikgeschichte. Solche Geschichten seien ein Raum, in dem große Probleme der Gesellschaft aufgewiesen und bearbeitet werden könnten, wenn dieses in der wirklichen Welt nicht möglich sei. Science Fiction sei ein Genre, das den Einfluss der Gesellschaft auf die Technik verdeutliche. Der Wert narrativer Erzählungen für die Geschichtsschreibung wurde von den Teilnehmern in der Diskussion bestätigt. „Geschichte(n) der Robotik“ müssen auch in narrativen Quellen, wie Comics, Filme oder Romane gesucht und in ihnen vor allem Erkenntnisse zum Umgang der Gesellschaft mit, sowie der Einfluss von Technik auf die Gesellschaft untersucht werden. Die große Bedeutung von narrativen Figuren spiegelt sich vor allem in der Gesellschaft Japans wider, wie sich in den Beiträgen der Sektion „Japan, Land der Roboter“ zeigte.

Erich Pauer ging in seinem Vortrag der Frage nach, ob es eine direkte Verbindung zwischen den früheren japanischen Automaten, den figürlichen karakuri ningyô, aus der Edo-Zeit (1600 – 1867) und den heutigen humanoiden Robotern Japans gab. In der technikhistorischen Literatur Japans werde der „Karkuri-Meister“ Hisashige (1799-1881) als Bindeglied zwischen Tradition und Moderne angeführt, jedoch stellte dieser unterschiedlichste mechanische Apparate her. Insbesondere waren seine Kenntnisse der Mechanik und Verarbeitung verschiedener Werkstoffe von großer Bedeutung. Hervorzuheben sei nicht etwa die spezielle Bauweise der Automaten, sondern vor allem die Substitution von Metall durch Holz, die die „Weiterentwicklung“ der Karakuri beeinflusste. Dadurch floss der technische Wissensbestand in die Moderne ein. Die edo-zeitlichen Automaten hatten nur bedingt Einfluss auf die Industrialisierung Japans, auch würden sie als Vorläufer moderner Roboter überschätzt. Auf die Frage nach den Ursprünge humanoider Roboter bot Kenji Ito in seinem Beitrag „before Astroboy“ einen Überblick über die kulturellen und politischen Konnotationen dieser einflussreichen Manga Figur auf die Akzeptanz von Robotern in der japanischen Gesellschaft. Anhand der Figur Astroboys und weiteren Roboter Images reflektierte Ito die soziokulturellen Bedeutungen der Wissenschaft und Technologie in Japan seit der Vorkriegsperiode. Astroboys Schöpfer Tezuka Osamu reflektiere in der ersten Episode des Astroboys die Kriegserfahrungen Japans. Astroboy wurde zum Sinnbild eines Supermenschen, mit sympathischen Ausdruck an Liebenswürdigkeit und übersteigerten Optimismus für die Wissenschaft und Technologie des Nachkriegs-Japans und stellte so eine Vision des zukünftigen Japans als Land der Technologie-Utopien dar. Astroboy begegnete den Teilnehmern auch in Cosima Wagners Beitrag „Von Asto Boy zu Asimo? Einblicke in die japanische Wissenschaft vom Roboter“, in dem sie sich ausgehend von dieser Figur mit den Charakteristika der japanischen Roboter beschäftigte. Sie betonte die „traumorientierte Robotik“ Japans, die sich beispielsweise in Asimo widerspiegle, der keinen Eigennutzen aufweise und für seine Entwickler bei Honda als „Image“ Produkt und PR-Figur fungiere. Mit Unterhaltungsrobotern, die als Koexistenz der japanischen Gesellschaft auf der EXPO 1970 vorgeführt wurden, hätte Japan versucht, sein Nationalimage zu stärken. Wagner unterstrich, dass Roboter als „kulturelle Produktionen und Inszenierungen“ betrachtet werden müssen. Denn eine kulturwissenschaftliche Perspektive auf technische Artefakte wäre unabdingbar, um die soziokulturelle Einbettung von Technik sowie den prinzipiellen Verhandlungscharakter in deren Herstellungs- und Verwendungskontexten zu lokalisieren. Auch Hironori Matsuzaki nahm in seinem Beitrag zur „Entwicklung von humanoiden Robotern im Kulturvergleich-Europa und Japan“ die kulturelle Dimension von Technik auf und betrachtete Grenzfragen der Mensch-Maschine-Beziehung aus wissenssoziologischer Perspektive. In Europa hätten Menschen eine normative und kognitive Sonderstelle (Menschenrechte, etc.), die als Fundament der Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine anzusehen sei. Der zunehmende lebensweltliche Einsatz von autonomen Robotern mache den Kontakt mit ihnen jedoch unvermeidlich. Dies werfe die Frage auf, wie man mit Robotern umzugehen habe und ob man ggf. humanoiden Robotern den Status einer sozialen Person zuschreiben kann oder soll. In menschzentrierten Gesellschaftsformen wäre vor allem die Konzeptualisierung von Robotern, die die anthropologisch fundierte Mensch-Maschine-Differenz beanstandet, ein grundlegendes Problem zu erkennen. In Japan würde dieses ethische Konfliktpotential kaum wahrgenommen, sondern man ginge von einer Koexistenz humanoider Robotern aus, die gestützt durch die buddhistisch-shintoistische egalitären Denktradition eine Integration von Robotern in vielen Lebensbereichen akzeptiere und eine Bedeutungsverschiebung des sozialen Lebens zuließe. Alle drei Beiträge betonten die Bedeutung kultureller Faktoren in der Erforschung von Technik am Beispiel des Roboters und diskutierten Fragen der kulturorientierten Technikgeschichte.

Die GTG Jahrestagung verstand es, eine Brücke zur gegenwärtigen Robotikforschung mit einem Vortrag des Informatikers Sven Behnke vom Institut für Informatik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zu schlagen. In einer Abendveranstaltung im Offenbacher Klingspor Museum, gefördert durch das Amt für Wirtschaftsförderung Offenbach stellte er die aktuelle Entwicklungsarbeit humanoider Roboter vor, die sich durch eine menschenähnliche Körperform, Verhalten und Sensoren auszeichnete. Bekannt sind vor allem die seit 1997 entwickelten Fußballroboter, die in internationalen Turnieren der RoboCup Ligen gegeneinander antreten. Der Frage, welche Bedeutung Roboterwettkämpfe für die Entwicklungsarbeit und die Gesellschaft haben, ging Hans-Joachim Braun in der Sektion „Serviceroboter: Herausforderungen im Alltag“ in seinem Beitrag „Roboterfußball Spielweise wofür?“ nach. Bereits in den 1920er Jahren hatte der Fußball einen Taylorismus durch die Automatisierung von Laufwegen erfahren. Durch die Reflexion von Laufwegen und Spieltaktiken sowohl in Computerspielen als auch beim RoboCup, ergeben sich neue Möglichkeiten für die Entwicklung des „realen“ Fußballs. Das Fußball-Automatisierungsparadigma sei bereits durch verschiedene Akteure (Trainer, Spieler etc.) im Bereich des Fußballs verinnerlicht worden. Das Mensch-Maschine-Verhältniss müsse neu gedacht werden und man müsse sich auf die eigenen Stärken besinnen - liegen die Stärken der Roboter doch darin, keine Ermüdungserscheinungen zu zeigen und keine unnötigen Fauls zu begehen. So könne der Roboterfußball ein Vehikel sein, um über die Rolle des Schiedsrichters und einen humaneren Fußball nachzudenken. Wettkämpfe zwischen Robotern gab es bereits in der Antike, wie Porfirio Silva in seinem Vortrag „fabulous races of human monsters and robots“ in der Sektion „Roboter als Alter Ego?“ darstellte. Er illustrierte wie in der Antike Roboter zunächst als Deviationen des „Normalen“ als „fabulous races“ (märchenhafte Rassen) abgebildet und als „humanoide Monster“ thematisiert wurden. Silva sieht die Frage, was „humanoid“ ist, als zentral an, um zu klären, was wir unter humanoiden Robotern verstünden. Auf der einen Seite sei reale Menschenähnlichkeit wichtig, um Menschen zu verstehen. Auf der anderen Seite reagieren wir jedoch gegenüber zu menschenähnlichen Robotern abneigend und betrachten sie als Monster. Die Frage nach der Identität von Robotern griff ebenfalls Jessica Heesen in ihrem Beitrag zu „Der dezentrale Roboter und das postmoderne Subjekt“ auf. Das Selbst würde durch soziale Interaktionen, dem Wechselverhältnis zu Organisationsformen, sozialen Ordnungen und materialen Kontexten entstehen. Der Aufbau von Identitäten würde in einer von Kommunikationstechniken dominierten Welt über elektronische Interaktionen mitbestimmt und sei von materialen Parametern abhängig. Mit der Ausweitung der intersubjektiven, elektronischen Kommunikation in der physischen Umgebung würde ein Alter-Ego im Kontext geschaffen und das Konzept einer reflexiven Identitätsausbildung normativ aufgeladen, dabei würde der Kontext selbst zum expliziten Kommunikationspartner. Die ironische Wendung liege darin, dass der Kontext zum expliziten Kommunikationspartner würde. Die Idee einer reflexiven Identitätsausbildung würde pragmatisch ersetzt durch adaptive Bildung von Nutzerstereotypen. „Geschichte(n) der Robotik“ diskutierte die Entwicklung von Robotern auf unterschiedlichste Weise und schaffte so eine Verbindung zwischen technischen, gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten des Einsatzes und Umgangs mit Robotern.

Traditionell wurden auch dieses Jahr zwei Exkursionen angeboten. Eine Gruppe konnte sich der Industriegeschichte der Stadt Rüsselsheim bei einem Stadtrundgang mit Besuch des Stadtmuseums nähern. Eine zweite Gruppe wurde durch das historische Opel-Altwerk in Rüsselsheim geführt. Die leerstehenden Hallen boten Einblicke in die Industriearchitektur des riesigen Werkgeländes. Peter Schirmbeck erläuterte mit Hilfe historischer Fotografien die Architektur und Anlage des Werkes, sowie die technische Ausstattungen der Hallen. Die Führung wurde abgerundet durch einige Ausführungen zu den modernen Industrierobotern, die in der heutigen Fertigung von Opel zum Einsatz kommen. Somit verband die GTG Jahrestagung die wissenschaftliche Bearbeitung des Themenkomplexes „Geschichte(n) der Robotik“ und das physische Erleben bedeutender Industriestätten, in denen Menschen an und mit Maschinen arbeiteten.

Anmerkung
Eine gekürzte Fassung dieses Tagungsberichts ist auf H-Soz-Kult erschienen; ICOHTEC hat eine englische Übersetzung veröffentlicht. Der Tagungsbericht wird auch in der Zeitschrift TECHNIKGESCHICHTE erscheinen.